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Gebrehanna Productions

Kings of Interest

31. Okt 2019
20:15

TICKETS

„Wir Äthiopier sind stolz darauf, nie kolonialisiert gewesen zu sein. Wir wuchsen auf mit glorreichen Geschichten von Königen, heiligen Kriegen und heldenhafter Aufopferung für das Mutterland. Das Problem ist: Auch wenn heute die Kolonial-Feinde nicht mehr da sind, befindet sich Äthiopien in einem endlosen Kreislauf von immer neuen Kriegen.“

Eine ungewöhnliche Migrationsgeschichte steht im Zentrum des Abends. Alfred Ilg, ein junger Schweizer Ingenieur, kommt 1880 nach Äthiopien. Er plant und konstruiert Bahnstrecken und Brücken und ist massgeblich am Bau der Hauptstadt Addis Abeba beteiligt. Schliesslich steigt er am Hof des Kaisers Menelik II. in den Rang des Ministers auf. Und er hat wesentlichen Anteil daran, dass Äthiopien ein unabhängiges Land bleibt. Aron Yeshitila, Theatermacher aus Brugg mit äthiopischen Wurzeln, spinnt den historischen Faden bis in die Gegenwart, unter anderem auch über den prunkvollen Empfang von Haile Selassie in Bern, 1954. Die Beziehung zwischen Ilg und dem äthiopischen Monarchen bildet dabei die szenische Folie für die Auseinandersetzung mit der zeitlosen Frage, unter welchen Umständen Gesellschaften sich zu despotischen Regimes entwickeln.

Aron Yeshitilatrifft seine Mitperformer*innen auf der Bühne zum Tee. Aus dem spielerischen Setting einer politischen Diskussion am Küchentisch entwickelt sich in bester brechtscher Manier eine Untersuchung der Beziehungen seines Heimatlandes mit dem Westen. Der Abend ist inspiriert von den Erinnerungen von Aron Yeshitila: Erinnerungen an den Machtwechsel 1991 in Äthiopien, welcher zum Fall des sozialistischen Regimes Mengistu Haile Mariams führte; Erinnerungen an eine Hoffnung, die darauf folgte und durch ein neues, ebenso diktatorisches Regime wieder zerstört wurde. Das Projekt versucht, die Interessen des Volkes an einer wiederholt versprochenen und zugleich versagten Demokratie zu beleuchten.

„Kings of Interest“ pendeltet zwischen Sequenzen der politischer Anklage, kino-reifer Geschichtserzählung, diktatoren-kritischer Situationskomik und einer subtil-suggestiven Einbindung des Publikums.

„Kings of Interest“ beleuchtet einen Teil der afrikanischen Geschichte und Aktualität, die in der heutigen westlichen Berichterstattung wenig Beachtung findet. Das Stück will Aufmerksamkeit für die Hintergründe wecken, welche viele afrikanische Länder daran hindern, wirkliche demokratische Veränderungen zu erzielen.

Weitere Informationen zu Alfred Ilg:

Kaiser Menelik II. trug den Titel „König der Könige“, er verstand sich als Teil der Salomonischen Dynastie, die ihren Stammvater in Menelik I. sieht, dem unehelichen Sohn des Israelischen Sohns Salomon. In seinem politischen Amt unterstützte Ilg Menelik II. massgeblich in dessen Eroberungsfeldzügen zum Ausbau seines Reiches und der Formierung der heutigen äthiopischen Grenzen. Ilg erhielt das endgültige Vertrauen des Kaisers, als sich dessen Beziehungen zu Italien gefährlich verschlechterten. Da Ilgs Heimatland, die Schweiz, kein offenkundiges imperialistisches Interesse als Kolonialmacht anstrebte, war Ilg unverdächtig. Ilg hatte auch massgeblichen Anteil am Sieg Äthiopiens über Italien in der Schlacht von Adwa, welche die Unabhängigkeit Äthiopiens gegenüber Italien bewahrte. Ilg warnte Menelik II. rechtzeitig vor den Truppenbewegungen Italiens und brachte eine Maschine aus Europa nach Äthiopien, welche den Äthiopiern ermöglichte, Gewehrkugeln selber herzustellen und sich autonom zu verteidigen.

Donnerstag: 31.Oktober
Beginn: 20.15
Dauer: 70min
Eintritt: 35.00/30.00/25.00

Theaterkasse und Foyerbar öffnen um 19.30 Uhr

Trailer

www.facebook.com/gebrehannaproductions

Credits


Spiel
Sabina Reich
Spiel
David Werner
Spiel
Getachew Yemane
Spiel
Aron Yeshitila
Konzept/Text/Regie
Aron Yeshitila
Szenografie
Katharina Meier
Dramaturgie, Produktionsleitung
Jonas egloff
Musikadaption
Christoph Scherbaum
Oeil extérieur
Grit Köppen
Förderung
Aargauer Kuratorium, Neuer Aargauer Bank, Jürg George Bürki Stiftung, Hans und Lina Blattner Stiftung, Stanley Thomas Johnson Stiftung, Fondation Nestlé pour l’Art, Südkulturfonds Migros Kulturprozent.
Ko-Produzent
Theater Tuchlaube Aarau
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