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Tanzfestival STEPS - ABGESAGT

Portraits in Otherness

05. Mai 2020
20:15

ABGESAGT


Drei Tanz-Solos wirbeln uns einmal um die Welt - Choreografie: Maya Jilan Dong, Dickson Mbi, Rianto

Mit «Portraits in Otherness» kommt eine Produktion zum Migros-Kulturprozent Tanzfestival Steps, die zwar in Grossbritannien kuratiert und uraufgeführt wurde, bei der aber, wie der Titel schon andeutet, eine einheitliche Identität nicht festzumachen ist. Es waren der Künstler Akram Kahn sowie sein Dramaturg Farooq Chaudhry, die sich das Konzept ausgedacht haben und «Portraits in Otherness» kuratieren.

Khan ist dem Steps-Publikum wohlbekannt, er war mit «Vertical Road» (2010) und «Desh» (2014) bereits mehrfach im Festivalprogramm vertreten. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Identität ist ihm urvertraut. Das gilt sowohl hinsichtlich seines familiären Backgrounds als auch seiner künstlerischen Arbeit: Er kennt wie kein anderer das Wechselspiel zwischen einem Dasein als Tänzer einerseits und als Choreograf andererseits. Die selbst gemachten Erfahrungen möchte er weitergeben, und «Portraits in Otherness» ist ein besonders glanzvolles Resultat, das diesem Anliegen entsprungen ist. Ziel war in diesem Fall, erfahrene Tänzerinnen und Tänzer herauszufordern, sich auch choreografisch weiterzuentwickeln, sie mit Neuem zu konfrontieren und ihnen solistisch eine noch grössere, internationale Plattform zu bieten.

Khan und Chaudry banden drei voneinander unabhängige Tanzsolos von grossen Künstlerpersönlichkeiten aus verschiedenen Winkeln der Welt in einem Programm zusammen. Die Stücke ergänzen sich schlüssig zu einem spannungs- und facettenreichen, in sich geschlossenen Abend. Wahrlich, es sind keine Anfängerinnen und Anfänger, die hier zu erleben sind, denn alle drei sind in der Lage, ihre jeweilige Tanzsprachen und -traditionen auf höchstem Niveau einzusetzen und zu erneuern.

Jedes dieser Solos ist ein Leckerbissen: Die aus China stammende Maya Jilan Dong bezieht die Inspiration für ihr Stück «Whip» aus der Kultur der Bai, der sie entstammt. Es entstand in Partnerschaft mit der Musikerin Joanne Clara. Die choreografierende Tänzerin hat sich aus dem Bewegungsmaterial, dass sie den Volkstänzen entnahm, ihr ganz eigenes Bewegungsvokabular geschneidert. Messerscharf und mit klarer Präsenz füllt sie problemlos die schlicht und elegant zugleich ausgeleuchtete Bühne, sie gestaltet, zelebriert den Raum. Einzige Utensilien sind ihre knallrote Kleidung, ein Stab und Farbe, die Kontrastpunkte setzen.

Trailer.

Dickson Mbi gilt in der Hip-Hop-Szene vor allem als Meister des Popping. Er baut von da aus kommend aber auch die Brücke zum zeitgenössischen Tanz und setzt sich tänzerisch mit dem aus dem Flamenco entlehnten Begriff «Duende» auseinander. Das verleiht seiner Kreation eine für diese urbane Tanzform eher unübliche aufgeladene Emotionalität, der Hip-Hop wird zum echten Ritual.

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Schliesslich kann die Schweiz erstmals mit einem Tänzer Bekanntschaft machen, der genauso wie die anderen beiden schon erfolgreich über viele grosse Bühnen der Welt wirbelte: Rianto aus Indonesien. Sein Solo «Medium» fusst im traditionellen javanischen Tanz. Der Tänzer ist jedoch seit Jahren damit beschäftigt, dieses Material zeitgenössisch weiterzuentwickeln, es mit seinem eigenen Körper in neue Form zu giessen. Genaugenommen tritt er nicht ganz allein auf, denn eine Musikerin bereitet ihm akustisch den Raum, es ist, als befände er sich mit ihr im Dialog. Und sprechender kann Tanz ohne Worte in der Tat kaum sein! Rianto läuft, stampft, dehnt sich, dreht sich, schlägt auf sich ein – und geht mit allem bis ans Äusserste. Wie eine Urgewalt feiert der Tänzer den Körper und das Leben, und doch wirkt es gleichzeitig wie ein einziger getanzter Schrei nach Freiheit und gegen den Dogmatismus. Eine Tour de Force, die einen atemlos zurücklässt.

Trailer.

BIOGRAFIEN

Dickson Mbi, Choreograf und Tänzer

Dickson Mbi verfügt über einen Hintergrund in Jazz, Ballett und zeitgenössischem Tanz. Er absolviert eine Ausbildung am Lewisham College und an der London Contemporary Dance School, wo er von Stuart Thomas und Bim Malcomson betreut wird. Heute ist er international erfolgreicher Tänzer in der Hip-Hop-Tanzszene, berühmt für seine kraftvollen Bewegungen mitsamt bemerkenswerten Sprungfähigkeiten und für seine ausgeprägt positive Ausstrahlung. Zahllose Wettbewerbsgewinne zieren die Karriere, darunter die Popping-Wettbewerbe Juste Debout UK, BattleISM, KOD und die britische B-Boy Championships. Als Tänzer arbeitet er unter anderem mit Basement Jaxx, Shallama, Robbie Williams, Corinne Bailey-Rae, Black Eyed Peas, Russell Maliphant und Boy Blue Entertainment zusammen. 2017 war er für den UK Theatre Award («Best Achievement in Dance») nominiert sowie als «Emerging Artist» und «Outstanding Male Performer (Modern)» beim National Dance Awards Critic Circle.

Maya Jilan Dong, Choreografin und Tänzerin

Maya Dong entstammt den Bei, einer ethnischen Minorität in der Provinz Yunnan im Südwesten Chinas. Sie wird in ländlicher Gegend gross, umgeben von der Natur – Erde, Bäumen, Wasser und Tieren. 2004, im Alter von zwölf Jahren, entdeckt die berühmte chinesische Choreografin Yang Liping ihr Talent und lädt sie ein, sich der Yunnan Yang Liping Arts & Culture Company anzuschliessen. Seitdem tanzt sie in Yangs wichtigsten Werken, darunter «Dynamic Yunnan», «Under Siege» und «Winter Peacock». Die Tänzerin und Choreografin gehört heute zu der erfahrensten Mitgliedern in Yang Liping Compagnie.

Rianto, Choreograf und Tänzer

Geboren 1981 im Dorf Kaliori, Banyumas in Indonesien, absolviert Rianto schon in frühen Jahren eine Ausbildung in klassischem javanischen Tanz und ostjavanischem Volkstanz. Er spezialisiert sich auf den Cross-Gender-Tanz Lengger. Rianto lebt seit 2003 in Tokio, Japan, wo er seine Dewandaru Dance Company für klassischen javanischen Tanz gründet. Er arbeitet regelmässig und international mit anderen kreativen Köpfen zusammen, feilt parallel aber weiter an seiner eigenen choreografischen Stimme, einem zeitgenössischen Tanzstil Javas. International wird er erstmals im Solowerk «Soft Machine» (unter der Leitung von Choy Ka Fai) wahrgenommen, 2016 entsteht «Medium». Von Akram Kahn wird er ausserdem gebeten, bei mehreren Tourneen an seiner Stelle in der grossen Bühnenproduktion «Until the Lions» zu tanzen.

Credits


Künstlerische Leitung
Akrahm Kahn
Produktion
Farooq Chaudhry
Komposition
Roger Goula, Joanne Clara, Vincenzo Lamagna, Joseph Ashwin
Lighting Designers
Fabiana Piccioli, Arne Schmitt
Costume Designers
Marie Cantenys, Lan Behrendt DYAO
Technische Leitung
Richard Fagan
Tontechnik
Fred Defay
Projektmanagement
Christine Maupetit
Tanz Medium
Rianto
Tanz-Duende
Dickson Mbi
Tanz-Whip
Maya Jilan Dong
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Kulturstiftung des Kantons Thurgau, Zur Rose, Stadt Steckborn, Thurgauer Kantonalbank Jubiläimsstiftung, Dr. Heinrich Mezger Stiftung
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